BÄKO
...alles für Bäcker und Konditoren

Glückshormon-Spender Schokolade

In der letzten Ausgabe des Backwerk haben wir beschrieben, wie aus Kakaomasse Kakaobutter und Kakaopulver entstehen. Ein anderes, jedoch weitaus komplizierteres Verfahren ist die Herstellung von Schokolade.
Bei der Schokoladenherstellung wird die in der Kakaomasse enthaltene Kakaobutter nicht abgepresst. Bei etlichen Schokoladenarten wird sogar noch Kakaobutter zugefügt. Und natürlich fehlen noch die Zutaten, die letztendlich den unvergleichlichen Geschmack von Schokolade ausmachen.
Die Zugabe bestimmter Lebensmittel ist bei der Schokoladenherstellung zugelassen. Näheres regelt die Kakaoverordnung. So kann beispielsweise pflanzliches Lecithin in geringen Mengen zugesetzt werden. Schokolade ist also immer eine Mischung aus
• Kakaomasse
• Kakaobutter
• Zucker
• Milch- oder Sahnepulver
• Würzstoffen (z.B. Vanille, Zimt,...)
• Zutaten (Mandeln, Nüsse, Mokka,...)

Herstellung nach Geheimrezept
Die genaue Zusammensetzung bleibt natürlich das Geheimnis jeden Herstellers. Fest steht jedoch: Je hochwertiger die Zutaten sind und je sorgfältiger die Zutaten verarbeitet werden, desto höher ist die Qualität.
Am Beispiel von Milchschokolade soll der Produktionsvorgang verdeutlicht werden – nach exakt festgelegter Rezeptur werden die folgenden Zutaten miteinander vermischt:
• Kakaomasse: Die flüssige Masse wird aus den Vorratsbehältern in die Mischanlage gepumpt.
• Kakaobutter: Diese gelangt ebenfalls aus den Vorratstanks in die Mischanlage.
• Zucker.
• Milch- oder Sahnepulver: Frischmilch wird aufgrund ihres hohen Wassergehalts selten verwendet. Meist wird Milchpulver verwendet.
• Pflanzliche Lecithine: Soja-Lecithine werden als Emulgiermittel benötigt, damit die Schokoladenmasse fließfähiger bleibt, d. h., sie kann sich besser der Gießform anpassen. Zudem ist Lecithin Nervennahrung für den menschlichen Organismus.
• Vanille: Zur Abrundung des Aromas wird Vanille oder naturidentisches Vanillin zugegeben.
• Zimt: Gelegentlich dient auch Zimt der geschmacklichen Verfeinerung.
Die verschiedenen Bestandteile der Schokoladenmasse müssen gründlich miteinander vermengt werden. Die Beschickung des Misch- und Knetbehälters erfolgt über ein elektronisch gesteuertes Dosiersystem. Die flüssigen Zutaten (Kakaomasse, Kakaobutter) werden über Dosierpumpen, Zucker und Milchpulver über Dosierwaagen in einem genau festgelegten Mischungsverhältnis eingefüllt.
Im Mischbehälter werden die Zutaten bis zu 30 Minuten lang geknetet und vermengt. Bei gleichzeitiger Erwärmung verbinden sich die pulverförmigen und flüssigen Stoffe zu einer feinkörnigen plastischen Masse. Die Kakaoteilchen, der Zucker und das Milchpulver sind noch zu grob – daher ist die Masse sandig und muss weiter verfeinert werden. Dies geschieht bei einem weiteren wichtigen Herstellungsschritt, dem Walzen.
Ausschlaggebend für die Qualität von Schokolade ist neben der Güte der Rohstoffe und dem ausgeklügelten Mischungsverhältnis deren Feinheitsgrad. Je feiner die Schokoladenmasse, desto zarter empfindet man sie auf der Zunge.
Fünf übereinander angeordnete Stahlwalzen dienen der Feinzerkleinerung der Zutaten. Die Laufgeschwindigkeit der einzelnen Walzen nimmt von unten nach oben zu, die Zwischenräume werden immer enger. Von der letzten Walze wird die Schokoladenmasse mit einem Messer abgestreift. Sie hat jetzt eine trockene, flockige Beschaffenheit. Will man noch feinere Schokolade herstellen, wird derWalzvorgang wiederholt.

Durch Conchieren zur Vollendung
Doch noch immer ist die Schokolade nicht fertig, denn feine Zungen würden bei dem Pulver saure, herb-bittere Stoffe wahrnehmen. Daher ist ein weiterer wichtiger Arbeitsschritt notwendig: das Conchieren, eine Wärmebehandlung und mechanische Bearbeitung. Fachleute unterscheiden zwischen Trocken- und Flüssigconchieren.
Beim Trockenconchieren wird die Masse einem intensiven Knet- und Versalbungsprozess unterzogen. Dabei entsteht Reibungswärme, die die Kakaobutter zum Schmelzen bringt. Diese umhüllt die feinen Feststoffteilchen der Schokoladenmasse. Die Masse wird homogener, der Schmelz verbessert sich. Gleichzeitig wird die Masse entfeuchtet, wobei die unerwünschten Aromastoffe entweichen, während die angenehmen zu ihrem vollem Aroma veredelt werden.
Je nach angestrebter Qualität dauert das Conchieren 16, 24 oder sogar 48 Stunden. Gegen Ende der Conchierzeit werden ggf. weitere Kakaobutter und geringe Mengen Lecithin zugefügt. Beim Flüssigconchieren wird die Masse bereits zu Beginn durch Zugabe von Kakaobutter verflüssigt und dann weiter veredelt. Hierbei kann die Conchierzeit auf acht oder weniger Stunden verkürzt werden.
Die conchierte Schokoladenmasse wird in beheizbaren Behältern zwischengelagert und bei Temperaturen zwischen 45 und 55° C gerührt. Im Anschluss durchläuft sie eine für ihre spätere Qualität äußerst wichtige Station: die Temperieranlage.
Für Glanz, Brucheigenschaften, Schmelzverhalten und Wärmefestigkeit der fertigen Schokoladenerzeugnisse ist es wichtig, dass die Masse, die die Zwischenlagertanks dünnflüssig verlässt, sorgfältig gesteuert ein bestimmtes Temperaturintervall durchläuft. Deshalb wird sie in mehreren Stufen von etwa 50 auf 28° C abgekühlt und anschließend wieder auf 32°C erwärmt. Die Qualität der fertigen Schokolade kann erheblich beeinträchtigt werden, wenn diese Temperaturführung fehlerhaft ist.
Durch das Temperieren (auch als Vorkristallisieren bezeichnet, da die Fettkristalle der Masse dabei ihre stabile Struktur aufbauen) erhält die Schokolade beim anschließenden Kühlen den charakteristischen seidigen Glanz, den knackigen Bruch und den zarten Schmelz. Nur bei fachgerechter Vorkristallisation entsteht eine hochwertige und lagerfähige Schokolade.
Nach der Vorkristallisation gelangt die temperierte Schokoladenmasse zum Gießkopf der Eintafelanlage. Die flüssige Masse wird grammgenau in die angewärmten Metall- oder Kunststoffformen mit den typischen Schokoladenrippen gegossen. Zusätze wie Mandeln, Haselnüsse oder Rosinen werden erst unmittelbar vor dem Eintafeln unter die Masse gemischt.

Schokolade gewinnt Form
Die mit Schokolade gefüllten Formen laufen danach über die Rüttelstation. Durch die Vibration verteilt sich die noch flüssige Schokolade gleichmäßig in der Form, evtl. eingeschlossene Luftbläschen entweichen.
Nächste Station ist der Kühlabschnitt. Die Schokoladenmasse erstarrt und zieht sich dabei etwas zusammen, so dass die Tafeln lose in der Form liegen. Durch Wenden der Formen werden sie ausgetafelt.
Transportbänder befördern die Tafeln zu den Verpackungsmaschinen. Dort werden sie in aromadichte Aluminiumfolie eingeschlagen, mit einer Papierverpackung versehen und in Kartons verpackt.
Etwa 80 % der hergestellten Schokoladentafeln sind massiv, der Rest ist gefüllt. Den Füllungen ist dabei mittlerweile beinahe keine Grenze mehr gesetzt.
Gefüllte Tafeln entstehen im Hohlkörperverfahren. Wie bei den massiven Tafeln wird die Masse in die Formen gefüllt und gerüttelt. Durch Schleudern und Wenden der Formen fließt ein Teil der Schokolade wieder ab. An den Wandungen bleibt eine durch Kühlung erstarrte Schicht Schokolade zurück. Die Ränder werden geglättet, so dass Schokoladennäpfchen („Hülsen“) entstehen.
Feste Füllungen wie Waffeln oder Marzipan werden in die Hülsen eingelegt. Halbflüssige Füllungen (Nuss-, Nougat-, Trüffeloder Marzipanmassen) werden exakt dosiert eingefüllt. Den Hülsen fehlt noch der Deckel. Dazu wird eine Schicht Schokolade aufgegossen, mit Hilfe einer Abschabevorrichtung gleichmäßig glatt gestrichen und gekühlt. Die weitere Verarbeitung erfolgt wie bei massiven Tafeln auch.
Für flüssige Füllungen werden Höckerformen verwendet. Diese sind mit einem dünnen Schokoladenboden verbunden, der später das Abbrechen der Stücke vereinfacht und zudem das Auslaufen der flüssigen Füllung verhindert. Dann wird eine dünne Haut aus Schokolade aufgetragen. Diese ist nach der Zwischenkühlung so tragfähig, dass der darüber aufgetragene Schokoladenboden nicht in die Füllung einsinken kann.

Unterschiedliche Sorten
Kakaoerzeugnisse dürfen nur in den Sorten angeboten werden, die in der Schokoladen- Verordnung festgelegt sind. Für die verschiedenen Sorten sind darin Mindestmengen an wertgebenden Kakaoinhaltsstoffen bzw. Milchbestandteilen festgelegt. Grundsätzlich gilt: je mehr Kakaomasse, um so herber und dunkler die Schokolade. Je mehr Zucker oder Milch – sie drängen den Kakaogeschmack zurück – umso milder die Schokolade. Ein höherer Kakaobutteranteil verstärkt den Schmelz. Ein paar Kennwerte:
• Edelschokolade: mindestens 40% der Kakaomasse müssen von Edelkakaosorten stammen.
• Zartbitter: mind. 43% Gesamtkakaotrockenmasse.
• Bitter oder extrabitter: mind. 60% Gesamtkakaotrockenmasse.
• Milchschokolade: 25% Gesamtkakaotrockenmasse, 14% Milchtrockenmasse, 3,5% Milchfett und höchstens 55% Zucker.
• Alpenmilch- oder Vollmilchschokolade: Milchpulver muss aus den Alpen stammen.
• Kuvertüre: mind. 31% Kakaobutter Weiße Schokolade enthält weder Kakaomasse noch Kakaopulver, sondern nur Kakaobutter (mind. 20 %), Zucker, 14% Milchtrockenmasse und 3,5 % Milchfett.

Schokolade1
Schokolade2
powered by KHAN IT